Street Notes ⎜2025

Mit offenen Augen durch den Kiez

Workshop von Heidrun Schramm und Nicolas Wiese mit 47 Schüler*innen aus der Theodor-Storm-Grundschule (Jahrgangsstufen 3, 5 und 6), begleitet durch die Lehrer*innen Christian Berbig, Sophia Daemgen und Britta Schlücking. Projekttage: September-Dezember 2025.

Was fällt mir auf? Was finde ich spannend? Was wünsche ich mir? Begleitet von zwei Künstler*innen erkundeten die Kinder ihre Umgebung nach eigenen Kriterien. Sie sammelten Eindrücke, aus denen Gedichte, Geschichten und schließlich Trickfilme entstanden sind.

Los ging’s für Alle mit einem Spaziergang. Ausgestattet mit Klemmbrettern hielten die Kinder fest, was ihnen auffällt, während die Erwachsenen den Weg fotografisch dokumentierten. Zurück in der Schule wurde das Material ausgewertet und es entstanden Texte, Raps und Geschichten, die bald darauf in Trickfilmen umgesetzt und vertont wurden. Dabei wurden Klassenräume zu Studios, Nebenräume zu Tonkabinen.

Die Inspiration fand sich im Unerwarteten auf der Straße: Eine tote Ratte wurde Ausgangspunkt poetischer und humorvoller Texte, ein beinahe aggressiver Hund verwandelt sich in Rap-Songs zum Superhund. Filme wie „Das Mädchen ohne Brille“ zeigen, wie unterschiedlich die Wahrnehmung sein kann. Und in einer ungewöhnlichen Liebesgeschichte wechseln sich Traum und Wirklichkeit ab. Drachen kämpfen um verlorenes Feuer oder gegen den Teufel, es kommt zu einer Entführung, absurde Texte erzählen von Spielplätzen, Schneebällen, kaputten Motorrädern oder dem Wunsch nach Schokobons und auch zwei tote Tauben kommen vor.

Obwohl alle Gruppen dieselbe Route wählten, entstanden erstaunlich unterschiedliche Filme – überraschend, witzig und nachdenklich. Schuat selbst:

Am Ende des ersten Schulhalbjahres schauten wir uns gemeinsam die drei entstandenen Klassenfilme an und sind begeistert, wie vielfältig die Kinder ihre alltägliche Umgebung wahrnehmen und was daraus entstehen kann. Im März geht es mit drei jahrgangsübergreifenden Lerngruppen 1 bis 3 der Grundstufe der Gemeinschaftsschule auf dem Campus Rütli weiter. Wir sind gespannt, welche Geschichten der Kiez noch bereithält.

Heidrun Schramm

Heidrun Schramm (geb. 1966 in Uelzen, DE) ist Geräuschesammlerin, Klangkünstlerin und Komponistin. Sie lebt und arbeitet in Berlin-Neukölln. Schramm studierte Sound Studies an der Universität der Künste Berlin. In ihrer Arbeit verbindet sie Musik, Klang- und Videokunst. Dabei entstehen Mischformen aus Performance, akusmatischer Aufführung und Installation. Sie komponiert konzeptuelle elektroakustische Musik für Multikanal-Lautsprechersysteme unter Verwendung von Aufnahmen akustischer Musikinstrumente, Stimmen, Objektgeräuschen und Field Recordings. Alltag, Kontext, Poesie und Raum sind wichtige Faktoren für ihre Arbeiten. Diese präsentiert sie international auf Festivals, in Konzerten und Galerien. Seit 2010 lehrt sie an Hochschulen, zuerst an der Hochschule für Bildende Künste Dresden und von 2013 bis 2020 an der Universität der Künste Berlin. Künstlerische Workshops an Berliner Schulen leitet sie seit 2011.

Nicolas Wiese

Nicolas Wiese (geb. 1976 in Itzehoe, DE) ist Video- und Klangkünstler, Grafikdesigner und experimenteller Musiker. Er lebt und arbeitet in Berlin-Neukölln. Wiese studierte Philosophie und Soziologie an der Universität Hamburg, Kommunikationsdesign an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg und Sound Studies an der Universität der Künste Berlin. Er entwickelt Arbeiten in unterschiedlichen Medien und Formaten, Installationen und raumbezogene Aufführungen, elektroakustische Kompositionen, improvisierte Musik, grafische Kunst, Radio-Hörstücke und Experimentalfilme. Wiese hat seine Arbeiten auf Festivals, in Konzerthäusern, Galerien und Museen national und international ausgestellt und präsentiert. Seit 2014 leitet er – in wechselnden Teams und auch allein – regelmäßig Workshops für Jugendliche und Erwachsene.

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